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Die Gesamthärte (GH) im Aquarium: Weiches oder hartes Wasser?

Hartes Wasser, weichem Wasser — was steckt dahinter?

Wer ein Aquarium einrichtet, begegnet früher oder später den Begriffen Gesamthärte und Karbonathärte. Beides sind Maße für die im Wasser gelösten Mineralien, und beide beeinflussen maßgeblich, welche Fische und Pflanzen sich in einem Becken wohl fühlen. Trotzdem herrscht bei vielen Aquarianern, gerade am Anfang, Verwirrung darüber, was genau gemessen wird, wie die Werte zusammenhängen und was sie praktisch bedeuten.

Die Gesamthärte (GH) ist das Maß für die Gesamtkonzentration der Erdalkaliionen im Wasser, also vor allem Kalzium (Ca²⁺) und Magnesium (Mg²⁺). Diese Ionen bestimmen, ob Wasser als weich oder hart bezeichnet wird. Weiches Wasser enthält wenig davon, hartes Wasser viel. Im Alltag kennt man den Unterschied vor allem aus der Küche oder dem Badezimmer: Hartes Wasser bildet Kalkablagerungen, weiches Wasser schäumt besser.

Im Aquarium ist die Gesamthärte ein entscheidender Faktor für die Artenwahl, weil Fische in der Natur an das Wasser ihrer Heimatgewässer angepasst sind. Ein Malawi-Buntbarsch aus dem extrem harten Malawisee braucht im Aquarium ebenfalls hartes, mineralreiches Wasser, während ein Roter Neon aus dem weichen Schwarzwasser des Amazonas bei hoher Gesamthärte auf Dauer leidet.

Was die Gesamthärte misst


Die Gesamthärte erfasst alle zweiwertigen Kationen im Wasser, hauptsächlich:

  • Kalzium (Ca²⁺): Hauptbestandteil der Wasserhärte, kommt aus Kalkgestein im Boden
  • Magnesium (Mg²⁺): Zweitwichtigster Beitrag zur Gesamthärte
  • Strontium, Barium und andere: In normalen Gewässern vernachlässigbar

Gemessen wird die Gesamthärte in deutschen Härtegraden (°dGH) oder in mmol/l. Ein °dGH entspricht 10 mg Kalziumoxid oder 17,8 mg/l CaCO₃.

Härtebereiche und ihre Bedeutung

Gesamthärte (°dGH) Bezeichnung Typische Herkunft Geeignete Fische
0 bis 4 Sehr weich Amazonas-Schwarzwasser, Torfsümpfe Roter Neon, Apistogramma spp., Diskusfisch
4 bis 8 Weich Südamerikanische Flüsse, Westafrika Neonsalmler, viele Salmler, Corydoras
8 bis 12 Mittelhart Mitteleuropäisches Leitungswasser, Südostasien Guppy, Platy, Sumatrabarbe, Barben
12 bis 18 Hart Kalkreiches Leitungswasser, Mittelmeerraum Molly, einige Buntbarsche
über 18 Sehr hart Malawi- und Tanganjika-See, Brackwasser Malawi- und Tanganjika-Buntbarsche, Feenbarsch

 

Kalzium und Magnesium: was Fische und Pflanzen damit machen

Kalzium und Magnesium sind für aquatische Lebewesen keine bloßen Wasserparameter, sondern essentielle Mineralien mit biologischen Funktionen.

Fische brauchen Kalzium für den Aufbau von Knochen und Schuppen sowie für die Regulierung des Ionenhaushalts über die Kiemen. In sehr weichem Wasser müssen Fische, die an hartes Wasser angepasst sind, energieaufwändig gegen einen osmotischen Gradienten Ionen aufnehmen. Das kostet Energie und stresst den Organismus dauerhaft.

Magnesium ist das Zentralatom des Chlorophylls. Aquarienpflanzen brauchen es für die Photosynthese. In sehr weichem, magnesiumarmem Wasser zeigen Pflanzen Magnesiummangel in Form von Chlorose: die Blätter vergilben zwischen den Blattadern, während die Adern selbst grün bleiben.

Für Garnelen ist die Gesamthärte besonders kritisch. Zwerggarnelen häuten sich regelmäßig und brauchen dafür ausreichend Kalzium und Magnesium aus dem Wasser, um die neue Hülle schnell aufzubauen. In zu weichem Wasser können Häutungsprobleme auftreten.

Gesamthärte messen

Methode Genauigkeit Aufwand Empfehlung
Teststreifen Gering Sehr gering Grobe Orientierung
Tropfentest (Titrationstest) Hoch Mittel Standardmethode für Heimaquarien
Digitales Messgerät (TDS-Meter) Indirekt Gering Ergänzung, misst Gesamtlöslichkeit nicht GH direkt

 

Der Titrationstest ist die zuverlässigste Methode für Heimaquarien. Dabei wird tropfenweise ein Reagenz zum Wasserprobe gegeben, bis ein Farbumschlag eintritt. Die Anzahl der benötigten Tropfen ergibt direkt den GH-Wert in °dGH.

💡 Tipp: Das örtliche Wasserwerk ist verpflichtet, die Wasserwerte des Leitungswassers auf Anfrage oder online bereitzustellen. Dort findet sich auch die Gesamthärte, häufig in Härtebereichen oder als Kalzium- und Magnesiumkonzentration angegeben. Das spart regelmäßiges Testen, wenn das Leitungswasser direkt ins Becken kommt.

Gesamthärte anpassen

  1. GH senkenOsmosewasser oder destilliertes Wasser hat eine Gesamthärte von nahezu 0. Durch Mischung mit Leitungswasser lässt sich jeder gewünschte GH-Wert einstellen. Torffilterung und Huminsäuren senken zwar den pH, aber nicht direkt die GH. Für sehr niedrige GH-Werte (unter 4°dGH) führt kein Weg an einer Osmoseanlage vorbei.
  2. GH hebenSpezialsalze für Aquarien (z.B. Magnesiumsulfat, Kalziumsulfat) heben die GH ohne die KH zu beeinflussen. Lochgestein, Korallensand und Muschelkalk heben sowohl GH als auch KH gleichzeitig. Für Malawi-Buntbarsch-Becken gibt es Fertigmischungen, die Leitungswasser auf die gewünschten Werte bringen.
  3. GH stabilisierenWenn Leitungswasser und gewünschter GH-Wert nah beieinander liegen, reichen regelmäßige Wasserwechsel mit unbehandeltem oder leicht angepasstem Leitungswasser. Starke Schwankungen vermeiden, da Fische empfindlich auf schnelle Änderungen reagieren.

Gesamthärte und Osmosewasser

Wer Osmosewasser verwendet, um niedrige GH-Werte zu erreichen, steht vor der Aufgabe, das demineralisierte Wasser wieder aufzubereiten. Reines Osmosewasser mit GH 0 und KH 0 ist instabil und für Fische nicht geeignet, da es keine Pufferkapazität hat und den pH-Wert unkontrolliert schwanken lässt.

Das Osmosewasser muss daher mit Mineralstoffsalzen aufbereitet werden, die gezielt Kalzium, Magnesium und je nach Bedarf auch Karbonate zugeben. Für Schwarzwasserfische werden Spezialsalze verwendet, die eine niedrige GH (2 bis 4°dGH) ohne nennenswerte KH erzeugen. Für Malawi-Buntbarsche gibt es Mischungen, die hartes, alkalisches Wasser simulieren.

Zusammenhang mit Karbonathärte und pH

Die Gesamthärte und die Karbonathärte (KH) werden oft verwechselt oder gleichgesetzt. Das ist ein Missverständnis. Die GH misst die Gesamtkonzentration aller Härtebildner, die KH misst nur den Teil, der durch Karbonate und Bikarbonate gebildet wird und als pH-Puffer wirkt. Ein Wasser kann hohe GH und niedrige KH haben (z.B. bei Verwendung von Kalziumsulfat ohne Karbonate), oder niedrige GH und höhere KH (selten in der Praxis).

Mehr über die Karbonathärte und ihre zentrale Rolle als pH-Puffer findet sich im Artikel zur Karbonathärte (KH). Wie sich GH und pH in der Praxis gegenseitig beeinflussen, erklärt der Artikel zum pH-Wert im Aquarium.


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