Nitrit im Aquarium: Das Gift zwischen Ammoniak und Nitrat
Das Gift zwischen Ammoniak und Nitrat
Nitrit ist die zweite Station im Stickstoffkreislauf des Aquariums und in mancher Hinsicht die gefährlichste. Während Ammoniak als Ausgangsprodukt bekannt ist und Nitrat als harmloses Endprodukt gilt, gerät Nitrit oft in den Hintergrund. Dabei ist es für Fische in bestimmten Situationen noch problematischer als Ammoniak, weil es auf eine besonders tückische Weise wirkt: Es blockiert den Sauerstofftransport im Blut.
Nitrit (NO₂⁻) entsteht, wenn Nitrosomonas-Bakterien Ammoniak oxidieren. Es ist also kein Primärgift wie Ammoniak, sondern ein Zwischenprodukt des biologischen Abbaus. In einem gut eingefahrenen Aquarium wird Nitrit sofort weiter zu Nitrat abgebaut und liegt dauerhaft bei 0 mg/l. Problematisch wird es in drei Situationen: während der Einlaufphase, nach einem Filterausfall oder nach einer Medikamentenbehandlung, die die Filterbakterienpopulation dezimiert hat.
Wie Nitrit Fische schädigt
Nitrit gelangt über die Kiemen ins Blut der Fische. Dort reagiert es mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin und oxidiert ihn zu Methämoglobin. Methämoglobin kann keinen Sauerstoff mehr transportieren. Das Ergebnis ist eine innere Erstickung, auch wenn das Wasser ausreichend Sauerstoff enthält.
Die Fische reagieren auf Nitritvergiftung mit charakteristischen Symptomen:
- Schnappatmung an der Wasseroberfläche
- Apathie, Bewegungslosigkeit
- Aufgehellte oder bräunliche Kiemenfarbe
- Zucken und unkontrollierte Bewegungen
- Verlust der Gleichgewichtskontrolle
- Bei hohen Konzentrationen: Tod innerhalb weniger Stunden
Diese Symptome können auch auf andere Ursachen hindeuten. Im Zweifel immer sofort Nitrit messen.
Nitritwerte und ihre Bedeutung
| NO₂-Wert (mg/l) | Beurteilung | Maßnahme |
| 0 | Ideal | Keine Maßnahme nötig |
| 0,01 bis 0,1 | Grenzwertig | Ursache suchen, Wasserwechsel vorbereiten, Fütterung reduzieren |
| 0,1 bis 0,5 | Gefährlich | Sofort 30 bis 50 Prozent Wasserwechsel, Fütterung stoppen |
| über 0,5 | Akut lebensbedrohlich | Notfall-Wasserwechsel, Fische beobachten, Filter prüfen |
Die Toxizität von Nitrit hängt, ähnlich wie beim Ammoniak, vom Chloridgehalt des Wassers ab. Chloridionen konkurrieren mit Nitrit um dieselben Aufnahmestellen in den Kiemen und verringern so die Nitritaufnahme ins Blut. Das erklärt, warum Meerwasserfische gegenüber Nitrit deutlich unempfindlicher sind als Süßwasserfische: das Salzwasser enthält hohe Chloridkonzentrationen.
Nitrit während der Einlaufphase
Der Nitrit-Peak ist das markanteste Ereignis während der Einlaufphase eines neuen Aquariums. Nachdem Nitrosomonas-Bakterien sich etabliert haben und Ammoniak zu Nitrit abbauen, steigt der Nitritwert stark an, bevor Nitrobacter-Bakterien beginnen, Nitrit weiter zu Nitrat abzubauen. Dieser Peak kann Werte von 1 bis 5 mg/l oder mehr erreichen.
| Phase | Ammoniak | Nitrit | Nitrat | Handlung |
| Woche 1 bis 2 | Steigt | 0 | 0 | Beobachten, täglich messen |
| Woche 2 bis 3 | Sinkt | Steigt stark | 0 | Kein Fisch einsetzen |
| Woche 3 bis 5 | Bei 0 | Sinkt (Peak überschritten) | Steigt | Abwarten bis Nitrit bei 0 |
| Ab Woche 5 bis 8 | 0 | 0 | Messbar, aber kontrollierbar | Ersten Besatz einsetzen |
Was tun bei erhöhtem Nitrit?
- Fütterung sofort stoppenKeine weiteren Futterreste ins Becken. Jede Futterzugabe erhöht die Ammoniakproduktion und damit die Nitritlast.
- Großen Wasserwechsel durchführen30 bis 50 Prozent des Wassers sofort gegen aufbereitetes Frischwasser austauschen. Nitrit wird direkt verdünnt. Wassertemperatur angleichen und Chlor neutralisieren.
- Filter prüfenLäuft der Filter? Ist das Filtermaterial noch funktionsfähig? Nach einem Filterausfall von mehr als zwei Stunden Filterbakterienpräparat zugeben.
- Ursache identifizierenEinlaufphase noch nicht abgeschlossen? Medikamente haben Bakterien geschädigt? Zu viele Fische auf einmal eingesetzt? Die Ursache bestimmt, was als nächstes zu tun ist.
- Täglich messen bis Wert bei 0Nach dem Wasserwechsel täglich Nitrit kontrollieren. Erst wenn der Wert an zwei aufeinanderfolgenden Tagen bei 0 liegt, ist die Situation unter Kontrolle.
Nitrit und Chlorid: ein praktischer Zusammenhang
Der Zusammenhang zwischen Chlorid und Nitrittoleranz hat praktische Konsequenzen. Wer Salz (NaCl) im Süßwasseraquarium als Pflegemittel einsetzt, erhöht damit gleichzeitig die Toleranz der Fische gegenüber Nitrit. Das erklärt, warum manche Aquarianer berichten, dass ihre Fische Nitritwerte tolerieren, die bei anderen Haltern zu Verlusten geführt haben: unterschiedliche Chloridgehalte im Wasser spielen dabei eine Rolle.
Nitrit von Nitrat unterscheiden
Nitrit (NO₂) und Nitrat (NO₃) werden häufig verwechselt, obwohl sie chemisch und biologisch grundverschieden sind. Nitrit ist das hochgiftige Zwischenprodukt, Nitrat ist das wenig giftige Endprodukt des Stickstoffabbaus. Teststreifen und Tropfentests für beide Parameter sind unterschiedlich und dürfen nicht verwechselt werden.
Wie Nitrat entsteht und kontrolliert wird, erklärt der Artikel zu Nitrat im Aquarium. Den gesamten Zusammenhang aller Stickstoffverbindungen zeigt der Artikel zum Stickstoffkreislauf.