Schwarzwasser, Hartwasser, Weichwasser: Welcher Wassertyp passt zu welchen Fischen?
Wasser ist nicht gleich Wasser
Wer zum ersten Mal einen Wasserhahn aufdreht und das Aquarium befüllt, denkt selten darüber nach, was in diesem Wasser steckt. Dabei ist Leitungswasser in Deutschland je nach Region so unterschiedlich wie die Landschaft selbst: In Bayern, wo das Wasser über kalkreiche Alpengesteine fließt, ist es hart und alkalisch. In Hamburg oder Bremen, wo Elbwasser aufbereitet wird, ist es deutlich weicher. In der Lüneburger Heide kann das Wasser fast schon Schwarzwassercharakter haben.
Diese regionalen Unterschiede sind in der Aquaristik nicht egal. Jede Fischart, jede Pflanze und jeder Bodengrund hat sich an einen bestimmten Wassertyp angepasst. Wer Fische aus dem Amazonas-Schwarzwasser in hartes, alkalisches Leitungswasser setzt, schafft Dauerstress. Wer umgekehrt Malawi-Buntbarsche in weiches, saures Wasser hält, tut ihnen ebenfalls keinen Gefallen. Der Wassertyp ist die Grundlage, auf der alles andere aufbaut.
Die drei wichtigsten Wassertypen im Vergleich
| Wassertyp | pH-Wert | GH (°dGH) | KH (°dKH) | Farbe/Optik | Natürliches Vorkommen |
| Schwarzwasser | 4,5 bis 6,0 | 0 bis 4 | 0 bis 1 | Dunkel gebräunt, trüb | Rio Negro, Torfsümpfe Südostasiens |
| Weichwasser | 6,0 bis 7,2 | 2 bis 10 | 2 bis 6 | Klar bis leicht gelblich | Amazonas-Zuflüsse, westafrik. Flüsse |
| Mittelhartes Wasser | 7,0 bis 7,5 | 10 bis 18 | 6 bis 12 | Klar | Mitteleuropäisches Leitungswasser |
| Hartwasser | 7,5 bis 9,0 | über 18 | über 12 | Klar, oft kristallklar | Malawi- und Tanganjika-See, Mittelmeerraum |
Wenn das Wasser dunkel und sauer ist: Schwarzwasser
Schwarzwasser ist das extremste natürliche Süßwassersystem der Welt. Der Rio Negro in Brasilien, der größte Schwarzwasserfluss, hat einen pH-Wert von teilweise unter 4,0 und eine Gesamthärte nahe null. Die dunkle Färbung entsteht durch Huminsäuren und Tannine, die aus verrottendem Pflanzenmaterial ausgewaschen werden. Das Wasser ist extrem nährstoffarm, aber reich an organischen Säuren.
Für Fische aus diesem Lebensraum sind diese Eigenschaften keine Extrembedingungen, sondern Heimat. Rote Neons (Paracheirodon axelrodi), viele Apistogramma-Arten und zahlreiche Hyphessobrycon-Salmler stammen aus Schwarzwasserflüssen und fühlen sich nur in annähernd ähnlichen Verhältnissen wirklich wohl.
Schwarzwasser im Aquarium nachbilden:
- Osmosewasser als Basis (GH und KH nahezu 0)
- Torf im Filter oder Torfsäcke zugeben
- Laub von Seemandelbäumen (Catappa-Blätter) oder Buchenlaub einbringen
- Spezialdünger für Schwarzwasserbecken oder Huminsäure-Konditionierer
- Dunkler Bodengrund, Moorkienwurzeln, keine oder wenige Steine
Der Kompromiss, den die meisten suchen: Weichwasser
Weichwasser ist der am häufigsten angestrebte Wassertyp in der Aquaristik, weil die meisten beliebten Tropenfische aus weichen bis mittelharten Gewässern stammen. Es bietet einen guten Kompromiss: ausreichend Mineralstoffe für Fische und Pflanzen, aber keinen so hohen pH wie Hartwasser.
Neonsalmler, Corydoras-Arten, Skalare, die meisten Zwergbuntbarsche und unzählige weitere beliebte Arten fühlen sich in weichem Wasser mit pH 6,5 bis 7,2 wohl. Für viele Regionen Deutschlands ist das Leitungswasser bereits zu hart und muss mit Osmosewasser gemischt werden, um die gewünschten Werte zu erreichen.
Typische Weichwasserfische:
- Neonsalmler (Paracheirodon innesi): pH 6,0 bis 7,5, GH 2 bis 12°dGH
- Skalare (Pterophyllum scalare): pH 6,0 bis 7,5, GH 3 bis 10°dGH
- Corydoras paleatus: pH 6,0 bis 8,0, GH 2 bis 25°dGH (robust)
- Apistogramma cacatuoides: pH 6,0 bis 7,5, GH 5 bis 12°dGH
Kristallklar und mineralreich: was ostafrikanische Seen ausmacht
Hartwasser ist das Gegenteil von Schwarzwasser. Der Malawisee und der Tanganjikasee in Ostafrika haben eine Gesamthärte von 10 bis über 20°dGH und einen pH-Wert von 7,8 bis 9,0. Das Wasser ist kristallklar, reich an Mineralstoffen und stark gepuffert durch hohe Karbonathärte.
Die Fische aus diesen Seen, besonders die Buntbarsche, haben sich über Jahrmillionen an diese Bedingungen angepasst. Malawi-Mbunas, Tanganjika-Cichliden und der Feenbarsch (Neolamprologus brichardi) gedeihen nur in hartem, alkalischem Wasser. In weichem Wasser verlieren sie Farbe, werden anfälliger für Krankheiten und pflanzen sich kaum fort.
Hartwasser im Aquarium erreichen:
- In vielen deutschen Regionen ist das Leitungswasser bereits ausreichend hart
- Lochgestein, Korallensand oder Muschelkalk im Filter erhöhen GH und KH
- Spezialsalze für Malawi- oder Tanganjika-Becken
- Kein Torf, keine Huminsäuren, keine pH-senkenden Materialien
Was der Wassertyp mit Pflanzenwachstum zu tun hat
| Wassertyp | Pflanzenwachstum | Geeignete Pflanzen | Herausforderung |
| Schwarzwasser | Schwierig, wenige Pflanzen geeignet | Moose, Bucephalandra, einige Echinodorus | Sehr niedrige Nährstoffverfügbarkeit |
| Weichwasser | Optimal für die meisten Aquarienpflanzen | Nahezu alle Aquarienpflanzen | Kalium oft mangelnd, düngen nötig |
| Mittelhartes Wasser | Gut, robuste Pflanzen bevorzugt | Vallisneria, Anubias, Javafarn, Cryptocoryne | Anspruchsvolle Vordergrundpflanzen schwieriger |
| Hartwasser | Eingeschränkt, kaum Pflanzen in Malawi-Becken | Vallisneria, einige Cryptocoryne-Arten | Hoher pH schränkt Nährstoffverfügbarkeit ein |
Erst das Leitungswasser testen, dann die Fische kaufen
Der erste Schritt zu einem erfolgreichen Aquarium ist das Kennen des eigenen Leitungswassers. GH, KH, pH und Nitrat des Leitungswassers lassen sich beim örtlichen Wasserwerk erfragen oder online abrufen. Diese Werte bestimmen, welche Fische ohne großen Aufbereitungsaufwand gehalten werden können und wo intensive Wasseraufbereitung nötig wird.
Wer einen Wassertyp nachbilden möchte, der vom Leitungswasser stark abweicht, braucht in der Regel eine Osmoseanlage als Basis. Wie GH und KH gezielt angepasst werden, erklärt der Artikel zur Gesamthärte. Der pH-Zusammenhang mit der Karbonathärte wird im Artikel zur Karbonathärte ausführlich erklärt.